Nachdem das erste Rennen am Gardasee etwas sub-optimal lief, ging es dieses Wochenende zur zweiten Station unserer Xterra Europa Tour in Wallonische Provinzhauptstadt Namur. Aus Erzählungen anderer Xterra Athleten und den Strecken Videos, die Online verfügbar waren stellte ich mich auf ein zumindest technisch relativ einfaches Rennen ein. Was sich dan im nachhinein als druckschluss bei einer DNF-Quote (nicht ins Ziel gekommen) von 8 % herausstellte. Dazu aber später mehr.

Da das Rennen schon Samstag stattfand und wir die Strecke unbedingt vorher abfahren wollten, fuhren wir schon Donnerstagnachmittag die 600 km nach Belgien. Abends nach einigen Staus kamen wir gegen 22 Uhr in der Unterkunft an und wurden sehr freundlich von unserer Gastgeberin Chantal empfangen. Wenig später traf auch unser „WG-Mitbewohner“ Jörg mit seiner Freundin ein. Nach einem kurzen Schwätzchen gings dann auch ins Bett. Am nächsten morgen ging es nach einem ausgiebigen Frühstück mit den Autos an den Start zum abfahren der Strecke.

Hierbei war ich auch sehr froh, dass diesmal mein geschätzter Jahrelanger Freund, Trainingspartner und Mentor Jörg mit dabei war und ich mir dabei die ein oder andere Sache abschauen konnte und die ein oder andere Frage stellen konnte.

Ab auf die Strecke ging es erstmal vom Ufer hoch zur Zitadelle von Namur. By the way, echt sehenswert speziell bei den ausblicken und dem Rosengarten. Oben angekommen zeigte sich die Strecke gleich mal von ihrer aggressiven Art und weiße, solange es nur bergan geht, ist alles gut für mich. Bis km 7 schien die Strecke außer einer relativ komplexen Matschabfahrt gut machbar. Dann geht es gefühlt schräg und steinig bergab ab. Hier empfiehlt mir auch Jörg lieber zu schieben, da dass ganz schön schwierig war. Ich entschließe mich hier lieber zu schieben und die 15 sec Verlust in Kauf zu nehmen. Naja, nicht so geil aber was soll`s, weiter geht’s. Im weiteren Verlauf zeigt die Strecke speziell aufgrund der unrhythmischen Gegebenheiten ihren Aggressiven Charakter. Es geht entweder kurvig, eckig oder eben technisch bzw. matschig und steil bergauf oder bergab. Bis dahin für mich aber alles fahrbar. Ich muss mich zwar einige male überwinden aber schaffe es bis dahin sturzfrei. Kurz vor Schluss gibt es noch einen Möderanstieg, bei dem für mich nur schieben möglich ist, da es einfach sooooo lange und steil ist, dass ich bei der Nässe nur sehr bedingt in der Lage bin hinauf zu fahren. 

Lieber hier etwas Kräfte sparen. Diese Art der Anstiege gab es einige auf der Strecke, die meiste mit allergrößter Mühe zu bewältigen waren und Körner ziehen. In der Zitadelle angekommen stand noch der letzte Trail an, der laut des Videos nicht mehr soooo schlimm sein könnte. Das war er bis auf 2 Stellen auch nicht…. Davon war die eine an Drop, gefolgt von einer Kurve. Nachdem das aus meiner Sicht ganz schön kriminell aussah entschied ich mich dies nicht zu fahren und lieber zu schieben, was sich im Nachhinein auch als die für mein aktuelles technisches Niveau als richtig erwies, nachdem dort einige Athleten auch kurz vor meinen Augen stürzten. Nachdem letzten Uphill hieß es zurück zum Auto rollen. 

Resümee des abfahren war für mich ganz klar technisch einfacher als Gardasee wobei der ganze tiefe Matsch auf den Up- und Downhills definitiv, speziell bei 1100 Teilnehmern nicht zu unterschätzen ist.
Nach einem ausgiebigen Mittagsschlaf ging`s dann nochmals mit dem Auto zur Event-Area um die Startunterlagen abzuholen und dann anschließend in der Stadt zum Abendessen. Nach einem schönen Abend und coolen Gesprächen in guter Gesellschaft ging es dann ins Bett. Am nächsten Morgen wurden wir dann von Magdalena (Jörgs Freundin) mit einem großartigen Frühstück ausgezeichnet auf das Rennen vorbereitet! Hiermit auch nochmals an Magdalena vielen Dank für den super Support und die großartigen Bilder!

Nach dem einchecken der Räder und der sonstigen Utensilien ertönte nach einigen Witterungskapriolen um 14.32 Uhr, 2 min nach den Profis der Startschuss. Es ging zuerst etwas Flussaufwärts bevor eine Insel Umschwommen wurde es wieder Flussabwärts und dann zum Ausstieg ging. Mein Start funktioniert diesmal einwandfrei und ich konnte gleich super vorne mitschwimmen. Diese gute Position konnte ich bis nach der ersten Boje halten, wo ich dann auch schon den ersten Profi (mit der gelben Badekappe, die Age-Grouper hatten Schwarze) überholen konnte. Nach und nach konnte ich auch noch weitere Profis aufsammeln, was mir ein gutes Gefühl bereitete. Nach der Hälfte der Schwimmstrecke merkte ich das fehlende Schwimmtraining der letzten beiden Wochen und musste wohl oder übel den ein oder anderen Konkurrenten ziehen lassen. Trotzt der mäßigen Arme stieg ich als insgesamt 50. von 592. Athleten (davon über 40 Profis) aus dem Wasser, was schon echt eine ordentliche Leistung war aber trotz allem noch Potential zur Verbesserung übriglässt. Anschließend ging es nach einem ganz ordentlichen Wechsel auf`s Rad und Richtung Zitadelle hoch. Hier wurde ich dann auch schon von Jörg überholt.

Oben angekommen ging es dann auch schon echt zur Sache. Die erste Runde verlief für mich genau nach Plan, kein Sturz und die Trials wie davor geplant gefahren und eben die 2 brutalen Stücke geschoben. Wobei ich das erste schon gerne gefahren wäre….. aber leider war schon Stau und ich hatte eh keine Wahl mehr außer zu schieben. Die erste Runde zeigte bei mir aber auch schon ganz schöne Ermüdungen, sodass ich das erste Mal am Uphill nicht mehr ganz hoch kam und vor min. 100 Leuten im Dreck lag….. Naja, was soll`s, weiter machen. Auf der zweiten Runde zeigte der Kurse für sehr viele Athleten seine härte. So viele Ausfälle von technische Defekte bis hin zu kapitalen Stürzen sah ich bei einem Triathlon noch nie! Ich aber wurde immer mutiger und traute mir mehr und mehr zu. Am für mich so schweren Stück war ich auf eine Gruppe aufgefahren, die ich unbedingt halten wollte. Naja, absteigen und schieben kam nicht mehr in Frage, also überwand ich mich, machte die Bremse auf ein fuhr den Trail einfach runter. Und angekommen und nochmals 2 vor mir gestürzte Athleten, überholt sprudelte die Freude in mir so heraus, dass ich mich so massiv überwunden hatte und ich konnte einfach eine brutale Energie freisetzen.

Gefühl…. Naja, bis dahin. Dann lag ich ein weiteres mal wieder im Dreck. Egal aufstehen und weiter. Und da entschloss ich mir es zu beweisen und den für mich unmöglichen scheinbar unmöglichen Drop zu fahren. Dort angekommen schaute ich mit einem Blick nach rechts unten und sah schon eines ziemlich zerstörten Konkurrenten dort unten liegen und hielt lieber an und fragte nach dem Befinden, bevor ich beim nächsten Streckposten für Hilfe sorgte. Den Rest der Trails bewältigte ich vollends und fuhr dann die letzten Meter noch hinauf zur T2 wo es dann nach der letzten brutalen Treppe (die ein Großteil der Athleten einschließlich mir schoben) in die Laufschuhe ging. Die Laufstrecke mit ihren 10 km aber 350 hm hatte es nach dem Biken ganz schön in sich! Sie beinhaltet massenhaften Treppen und eben ziemlich viel ecken sowie auch steile Up- und Downhills. Naja, das war für mich mehr ein Joggen/gehen von Verpflegungsstation zu Verpflegungsstation. Nach einem letzten ganz schön hartem Stück Arbeit war ich nach 3:55 h im Ziel angekommen und mit dem überwinden persönlicher Grenzen ziemlich zufrieden.

Im Ziel traf ich dann auch gleich Jörg und nach einiger Zeit kam dann auch Nadine ins Ziel. Beide hatten energietisch sowie auch Sturzmäßig mit ähnlichen wenn auch nicht noch schlimmeren Problemen zu kämpfen. Egal mit wem ich von den Age-Groupern sprach, jeder lag mindestens einmal auf dem Bike im Dreck und das meist wesentlich schlimmer als ich.

Alles in allem lässt sich für mich folgendes Fazit ziehen. Schwimmen wie immer solide, da muss ich einfach kontinuierlich weiterarbeiten. Auf dem Rad sind die Defizite technisch immer noch da, aber ich konnte mich im Gegensatz zu Gardasee um einiges steigern und den nächsten Schritt machen. Das verdanke ich auch meinem Freund Stefan, der mich hierbei mit einigen Tipps unterstützte und mir am Abend noch das Video seines Triumphes in Namur damals 2006 zuschickte und mich nochmals zusätzlich motivierte in die Angst zu gehen. Letztendlich fehlt mir auch einfach noch Fähigkeit die MTB-Spezifischen Tempowechsel ohne Probleme zu bewältigen. Diese sowie auch die technischen Defizite werde ich die kommenden 3 Wochen angehen und beim nächsten Rennen anders auf dem Bike unterwegs sein und dadurch auch wesentlich besser laufen können.

Mein Fazit zum Rennen: Absolut empfehlenswert, wenn man schon extrem fit ist und auch sehr gut MTB-fahren kann! Vergessen darf man auch nicht die oben schon angesprochene Ausfallquote. Von den 592 gestarteten Athleten sind 45 nicht ins Ziel gekommen und davon auch einige erfahrene und äußerst erfolgreiche Athleten. Auch die Anzahl der Krankenwägen und der aufheulenden Sirenen fand ich schon ziemlich erschreckend. Das heißt übersetzt, dass ca. jeder 12. gestartet Sportler nichts in Ziel gekommen ist! Für mich echt krass! Aber das ist eben Xterra und da weiß jeder ganz genau davor auf was er sich einlässt! Zur Veranstaltung: Die Veranstaltung war bis auf die in Französisch abgehaltene und dadurch für die meisten Teilnehmer unverständliche Siegerehrung super. Verpflegung war auf der Strecke und im Ziel ausreichend verfügbar und es wurde bei Fragen und Problem immer geholfen. Außerdem lohnt sich auch mal ein Besuch in Namur.

Ergebnisse: 

Swim: 23:19 mín

T1: 2:18 min

Bike: 2:25 h 

T2: 1:31 min

Run: 1:02 h 

Overall: 263.

Ak: 19.